Auf den Spuren des Nationalsozialismus in Innsbruck

 
Als ersten Programmpunkt durften wir die Jüdische Synagoge in der Sillgasse besuchen. Fr. Mitterstiller erklärte sehr anschaulich die geschichtliche Entwicklung des Gotteshauses,

die religiösen Hintergründe und die jahrhundertlange Verfolgung der Juden, welche in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 ein dramatisches Ausmaß im gesamten deutschsprachigen Raum annahm. 1938 lebten ca. 460 Juden in Tirol und 40 in Vorarlberg. Heute umfasst die jüdische Gemeinde in Innsbruck ca. 150 Personen.

Die Synagoge wurde in der Reichskristallnacht stark verwüstet und im 2. Weltkrieg zerstört. Das baufällige Gebäude wurde 1965 abgerissen.

Nach der NS-Zeit waren die Beträume der jüdischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg in angemieteten Räumen in der Anichstraße untergebracht. Diese wurden aber an hohen Festtagen im Laufe der Zeit zu klein, deshalb wurde 1993 der Neubau der jüdischen Synagoge am ehemaligen Standort in der Sillgasse fertig gestellt.


 

 

 

 

Der Sitz der Gestapo in der Herrengasse 1     
Nach einem kurzen Fußmarsch erreichten wir die Herrengasse 1, in welcher ab Mai 1938 die Zentrale der Gestapo untergebracht war. In diesem Haus kam es in der NS-Zeit zu brutalen Quälereien und Folterungen von Menschen, welche aus politischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden. Der Widerstandskämpfer Robert Moser wurde 1945 dort von der Gestapo zu Tode gefoltert    
       
Kaufhaus Tirol und Cafe Schindler      
In der Maria Theresienstraße wurde 1908 das Kaufhaus Tyrol von den jüdischen Familien Bauer und Schwarz als erstes modernes  

Großwarenhaus in Westösterreich eröffnet. In der NS-Zeit wurden dieses Kaufhaus und weitere jüdische Geschäfte in der Anichstraße arisiert bzw. die Familien enteignet. Die Familien wurden aus Tirol vertrieben oder ermordet. Eine Gedenktafel im Erdgeschoß im Inneren des Kaufhaus Tyrols zeugt heute von den damaligen Geschehnissen.Die Fassade des Cafe Schindler mit der gleichnamigen Aufschrift ist das einzige noch heute sichtbare Zeichen des jüdischen Geschäftslebens der NS-Zeit.

       
Das Landhaus - Landhausplatz      

 

 

Der Landhausplatz und das Landhaus selbst als zentraler und offener Platz in Innsbruck laden zum Verweilen ein. Das Landhaus diente in der NS-Zeit als Sitz für nationalsozialistische Ämter und Behörden der Gaue Tirol und Vorarlberg. Am Seitenportal in der Wilhelm-Greil-Straße sind an der Fassade im ersten Stock drei Quadrate sichtbar. In zwei dieser Quadrate sind das Tiroler- und das Vorarlberger Wappen angebracht. Das mittlere Feld wurde nach der NS- Zeit übermalt, da sich dort der nationalsozialistische Reichsadler mit dem Hakenkreuz befand.

 

 

 

   
       
Das Befreiungsdenkmal      
Auf dem Landhausplatz steht das zur Erinnerung der Befreiung Tirols vom Nationalsozialismus das Befreiungsdenkmal mit dem Tiroler Adler. Die Aufschrift „"PRO LIBERTATE AUSTRIAE MORTUIS" – „Den für die Freiheit Österreichs Gestorbenen“ erinnert an die Todesopfer aus jener Zeit. Das in Form eines Siegestores gestaltete Befreiungsdenkmal zeigt auf den Gittertüren die Wappen aller neun österreichischen Bundesländer. Diese sind in Kreuzform angebracht. Eine Erinnerungstafel ist im seitlichen Bereich des Denkmals angebracht.  
       
Das Pogrom-Denkmal      

Auf dem Landhausplatz steht ebenfalls das Pogrom Denkmal, welches zur Erinnerung an die Opfer in der Pogromnach in Innsbruck wurde im November 1995 dieses Denkmal errichtet wurde.

Auf dem runden Sockel sind die Namen der vier Opfer Ing. Richard Berger, Richard Graubart. Wilhelm Bauer und Josef Adler eingraviert. Sie wurden in der „Reichskristallnacht“ ermordet.

Das Denkmal stellt einen siebenarmigen Menora-Leuchter dar. Rund um das Denkmal sind auf einer schmalen Brüstung noch weitere Opfer vermerkt. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht vergessen, dass diesen vier Männern später noch viele Kinder, Frauen und Männer in den Tod folgten.

 

   
   
 "Suevia" Ehrendenkmal der deutschnationalen Burschenschaft auf dem Innsbrucker Westfriedhof    

Für die Verstorbenen der deutschnationale Burschenschaft „Suevia“ steht auf dem Innsbrucker Westfriedhof ein Ehrendenkmal.

Auf dem Denkmal sind Tafeln mit den eingravierten Namen der verstorbenen Mitglieder angebracht.

Der Name Dr. Gerhard Lausegger, welcher als SS-Mann, für die Ermordung von Ing. Richard Berger in der Pogromnach verantwortlich war, ist dort ebenfalls vermerkt.

 

 

Die Schüler/innen diskutierten teils heftig über diese Kontroverse von Verehrung und Verbrechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Eine Gedenktafel neben dem Ehrendenkmal der Burschenschaft erinnert heute an Ing. Richard Berger, der 1938 der Vorstand der jüdischen Gemeinde und Präsident der zionistischen Ortsgruppe Innsbruck war.

Dr. Gerhard Lausegger entzog sich nach dem Krieg einer Verurteilung durch Fluch nach Argentinien.

 

 
       
Jüdischer Friedhof      

Als Abschluss dieses interessanten Lehrausgangs wurde ein Rundgang auf dem jüdischen Friedhof gemacht. Dort befinden sich viele Familiengräber der jüdischen Opfer aus der NS-Zeit. Ganze Familien wurden in Konzentrationslagern wie Auschwitz oder Theresienstadt ermordet. Das Grabmal der Familie Brüll, einst Besitzer eines großen Möbelgeschäftes mit Tapeziererei und Tischlerei in der Anichstraße, zeigt unter anderen den Namen von Ilse Brüll.

Die Cousinen Inge und Ilse Brüll konnten vorerst von Innsbruck nach Holland flüchten. Dort wurde allerdings Ilse Brülls Unterschlupf verraten, woraufhin sie deportiert und in Ausschwitz vergast wurde. Ihre Cousine Inge überlebte.

Gräber am ehemaligen Friedhof in der Nähe des Alpenzoos, dem sogenannten Judenbühel, wurden später auf das mit Mauern vom katholischen Friedhof abgetrennte Areal des Westfriedhofes verlegt.

Auf dem jüdischen Friedhof sind rechter Hand Soldatengräber von jüdischen Männern, welche im Ersten Weltkrieg für Österreich an der Dolomitenfront gefallen sind.

 

 

Fotos: Michaela Wallner

Quelle: https://www.univie.ac.at/hypertextcreator/zeitgeschichte/site/browse.php?arttyp=k&l1=2&l2=1004&l3=1080&l4=1081 31.10.2017

 

 

Fotoquelle: 
Michaela Wallner
Fotos: